Man nennt den Zeitraum zwischen 2 Imperien Interregnum. Aber woran erkennt man denn nun den Abstieg und woran den Aufstieg eines anderen Imperiums? Zunächst einmal sollte man sich vor Augen führen, dass es sich hier um einen Zerfallsprozess handelt, der auf verschiedenen Ebenen unterschiedlich schnell abläuft. Viele Leute scheinen auf einen großen Knall, ähnlich eines Meteoriteneinschlags oder eines Vulkanausbruchs zu warten. Aber dem ist nicht so. Der Zerfall beginnt schleichend und zunächst unbemerkt. Wer da ganz tief nachlesen möchte, dem empfehle ich den Autor Dimitry Orlov1, der den Verfall des US Hegemons mit dem Untergang der Sowjetunion vergleicht und viele Parallelen dabei beleuchtet. Er teilt den Verfall in 5 Stufen ein:
- finanzieller Zusammenbruch
- kommerzieller Zusammenbruch
- politischer Zusammenbruch
- sozialer Zusammenbruch
- kultureller Zusammenbruch
Die Stufen erfolgen nicht zwingend sequentiell und ein gleicher Geschwindigkeit. Dabei merkt er an, dass die Sowjetunion nur bis zur 3 Stufe gekommen ist und Bevölkerung sich dann wieder aus dem Abwärtssog gelöst hat. Dabei spielte die Tatsache eine große Rolle, dass viele Bürger vor/beim Zusammenbruch nicht obdachlos wurden, da sie in eigenen Wohnungen und Häusern lebten, ganz anders als heute in den USA. Der Anteil der Bevölkerung, die in den eigenen vier Wänden wohnen, ist auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes im Osten auch heute noch hoch.

Der amerikanische Traum inklusive dem eigenen Heim bedeutet aber noch nicht, dass das Haus schon bezahlt ist. Ist der Job weg, verliert man in den USA die Krankenversicherung und dann auch schnell das Haus, wenn man nicht schnell wieder in Arbeit kommt.

Der französische Historiker Emmanuel Todd, der bereits den Zusammenbruch der Sowjetunion frühzeitig voraussagte, führt die Analyse etwas anders als Orlov durch, kommt aber zum selben Ergebnis: Der Westen ist besiegt. Er führt den Niedergang auf das Verschwinden des Protestantismus2 zurück in dessen Blüte ein hohes Bildungsniveau und eine Hohe Alphabetisierungsrate der Bevölkerung angestrebt wurde. Schließlich sollte jeder Gläubige selbst in der Lage sein, die Heilige Schrift zu lesen.
Aber da ich viel aus verschiedenen Quellen, meist auf Englisch lese, möchte ich ein wenig die Melange verdichten und verkürzen. Der Schmerzpunkt eines jeden Herrschaftssystems sind die vorhandenen Ressourcen. Je mehr davon vorhanden sind, desto eher wird in dem jeweiligen Land bzw. der Region die Zivilisation bestehen bleiben und sich weiterentwickeln. Ein grünes Huhn3 hat auf Substack immer wieder betont, dass der vorhandene Wohlstand sich dadurch bestimmt, wieviel Energie das Wirtschaftssubjekt verschwenden kann. Das klingt sehr abstrakt, bedeutet aber ganz einfach folgendes. Wenn ich mir kein Auto leisten kann inklusive des Treibstoffs, dann muss ich anderweitig zur Arbeit täglich fahren, z.B. mittels des ÖPNV oder aber mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Dabei erinnere ich mich immer an meinen Großvater, der jeden Tag mit dem Fahrrad etwa 20km mit dem Fahrrad zur Arbeit zurückgelegt hat, da er sich kein Motorrad oder gar Auto leisten konnte. Wenn man einfach mal mit dem Auto zum Einkauf fahren kann ist das bequem und deutet auf Wohlstand hin. Muss ich dazu mit einem Handwagen oder auch nur mit Tragetaschen zu Fuß zum Supermarkt, dann ist das schon deutlich beschwerlicher bei jeder Jahreszeit.
Beim Auswandern sollte man daher sich überlegen, ob die Zielregion auch genug Energieressourcen zur Verfügung hat, diese verteidigen kann und auch souverän für die eigene Entwicklung einsetzt. Dabei ist unter Energieressourcen in erster Linie Erdöl und -gas zu verstehen, denn alles Produkte des täglichen Bedarfs für einen Leben der “1. Welt” liegen Erdöl und -gas zu Grunde. Sei es bei der Produktion als Heizenergie, oder als Produkt wie z.B. Plastik, ohne fossile Energieträger ist eine moderne Lebensweise undenkbar. Geothermie, Wasserkraft, Sonne und Wind sind dabei in der Größenordnung vernachlässigbar und für den Betrieb einer hochtechnisierten Volkswirtschaft aufgrund von unzuverlässiger Verfügbarkeit nicht geeignet. Jeder der jetzt spitzfindig Einspruch erhebt sollte sich daran erinnern, dass die Herstellung der Technik zur Ausbeutung von sogenannten erneuerbaren Energien eine Menge fossiler Energieträger verschlingt. Ich will auch nicht das Fass aufmachen, was denn technologisch alles in der Pipeline ist, sondern den Stand der Anwendungstechnik jetzt in Ansatz bringen.
Hat die USA also genug Energierohstoffe, damit dort die Zivilisation weitergeht?
Eigentlich ist der Nordamerikanische Kontinent eine Rohstoffreiche Region und es gibt reichlich Öl in den Gegenden wo mittels Fracking gefördert wird, aber auch im Golf von Mexiko auf Bohrinseln. Aber der Verbrauch in den USA ist höher als die eigene Produktion und man hat die Fertigungsindustrie im Rahmen des Sharholder Value Ansatzes bereits in den 1980ern nach Südostasien insbesondere China verlagert. Daher ist der Kauf von Energie auf dem Weltmarkt für die USA so wichtig. Jahrelang war das Königreich Saudi Arabien ein treuer Versorger. Die Dollars wurden gedruckt und von den Saudis wieder in USA in Staatsanleihen, den sogenannten T-Bills angelegt. Das Drucken von Geld d.h. grünes Papier kommt dabei ein wenig dem Verhalten gleich, den indigenen Ureinwohnern Nordamerikas Glasperlen für ihre wertvollen Rohstoffe anzudrehen.
Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Pentagon einen großen Anteil des US Staatsbudgets verschlingt, um die über 800 Militärbasen zu unterhalten und in vielen Regionen der Welt eine Art Dauerkriegszustand aufrecht zu erhalten. Kurz gesagt finanziert der Rohstoffproduzent seine eigene Unterdrückung.

Daher konnte es nur dazu kommen, dass die Produzenten irgendwann etwas anderes als den USD für ihre Produkte haben wollten. Dies hat bisher die US Armee und der CIA erfolgreich unterbunden (siehe Gaddafi, Saddam Hussein). Bis irgendwann ein Anbieter kam, den man nicht einfach so ungestraft wegbomben oder wegputschen kann. Seit die Russische Föderation sich erfolgreich gegen den Hegemon gewehrt hat und eine Entdollarisierung gemeinsam mit der VR China angeschoben hat, schließen sich immer mehr Länder dieser Bewegung an bzw. wagen sich nach und nach aus der Deckung. Die US Regierung hat dann auch noch die strategische Ölreserve des Landes für eine positive Stimmung der Wähler eingesetzt im Rahmen des Wahlkampfes an der Zapfsäule.
Sollte die Öl- und Gasversorgung in den USA mal ins Stocken geraten, gibt es auch wenig Alternativen zum Auto und Flugzeug, sodass wenn die Warenlogistik und der Güterverkehr zum erliegen kommt, das Land irgendwann quasi still steht. Sollte das geschehen, möchte ich nicht in einer der großen Städte der West- oder Ostküste sein, da die Einwohner relativ schnell die Maslow Bedürfnispyramide herunterrutschen dürften. Das Recht und die Bedürfnisse werden dann wieder mit Gewalt durchgesetzt, oder um es mit Brecht zu sagen, “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.”.

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