Die Frage höre ich oft und mittlerweile bin ich es leid immer wieder das selbe zu erzählen. Das Land ist viel besser als sein Ruf (“Europäisch Nord-Korea”). Trotzdem möchte ich mich zunächst möglichst an die messbaren Fakten halten.
Kriminalität: Es gibt in Belarus weit weniger Ausländer als in Deutschland, insbesondere Flüchtlinge. Probleme wie in Deutschland mit Ausschreitungen vor Flüchtlingsunterkünften oder die Innenstädte terrorisierende Migranten gibt es praktisch nicht. Die Alkoholgrenze zum Fahren liegt bei 0,3 Promille. Die Bevölkerung hat großen Respekt vor der Polizei (heißt in Belarus Militia).
Wenn man die Delikte pro 1.000 Personen anschaut, liegt Belarus gar nicht so schlecht im europäischen Vergleich.

Lebenshaltungskosten: Die Lebenshaltungskosten verglichen mit Deutschland liegen bei etwa 30-40% des Deutschen Niveaus. Vor allem ist der Treibstoff (Benzin, Diesel und Gas) stabil günstig, da langfristige Lieferverträge mit der Russischen Föderation bestehen. Das Stromversorgungsnetz ist unabhängig vom europäischen Netz und es gibt im Norden ein neues Atomkraftwerk russischer Bauart, welches bisher nur einen von zwei Reaktorblöcken nutzt. Das heißt, es besteht noch eine beträchtliche Erzeugungsreserve. Die kW/h liegt bei etwa 0,08€ und ein kg Gas kostet etwa 0,20€. Ein Liter Diesel bzw. Benzin gibt es für ca. 0,70€.
Ökonomie: Das Land hat eine starke Ausrichtung zur Landwirtschaft. Es werden mehr Lebensmittel nach höchsten EU Standards erzeugt, als selbst konsumiert werden. Zugabe von Insekten und Genmodifiziertes Saatgut sind verboten. Im Supermarkt kann man die Importware schnell an den teuren Preisen erkennen. Arbeit wird deutlich niedriger bezahlt, daher die geringeren Lebenshaltungskosten. Es ist also eher unattraktiv für Deutsche eine Arbeit zu suchen, denn ein Vollzeitjob für umgerechnet 450€ hilft nur dem, der keine Rücklagen hat. Es gibt eine Liste mit Mangelberufen, die eine Arbeitsmarktprüfung umgehen und den Erhalt eines Arbeitsvisums erleichtern. Allerdings verbleibt die Sprachbarriere als größtes Hindernis.
Steuern: Es gilt das Welteinkommensprinzip und ein pauschaler Einkommensteuersatz von 13% vom ersten Rubel an für natürliche Personen. Das Belegsammeln als einfacher Bürger hat ein Ende. Die Mehrwertsteuer beträgt 20% und es gibt keine Erbschaftssteuer bei Übertragungen in der direkten Familie. Die Quellensteuer bei Zinsen in der Bank liegt bei 13%, und damit deutlich unter der Zinsabschlagssteuer, aber einen Freibetrag gibt es nicht. Belarus hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit der BRD abgeschlossen.
Immobilien: Der Erwerb von Land im Eigentum ist für Ausländer nicht möglich. Ersatzweise erhält man eine Pacht über 99 Jahre, welche ähnlich der Erbbaupacht in Deutschland funktioniert. Das heißt beim Kauf eines freistehenden Landhauses erhält man das blaue Eigentumszertifikat für das Gebäude und ein weiteres blaues Zertifikat über die Pacht des Bodens. Beim Erwerb von Wohnungen ist das kein Problem. Diese kann man als Ausländer zum Eigentum erwerben. Ein Einkommen aus Vermietung wird nicht dem persönlichen Einkommenssteuersatz unterworfen sondern mit einem monatlich zu zahlenden Fixbetrag von derzeit 43,90 BYN (ca. 13€) pro Schlaf- bzw. Wohnzimmer abgegolten. Nebenkosten werden stets direkt exakt abgerechnet. Das heißt, es gibt keine Abschlagszahlungen und Nachregulierung wie in Deutschland.
Medizinische Versorgung bzw. Kosten: Es gibt ein dichtes Netz von staatlichen Polykliniken, welche die Versorgung von Patienten übernehmen. Dort werden Operationen durchgeführt. Diagnostik und kleinere (ambulante) Behandlungen werden auch bei (privaten) medizinischen Versorgungszentren durchgeführt. Als Selbstzahler hat man praktisch keine Wartezeit für einen Termin bei einem Facharzt. Die Preise betragen einen Bruchteil der Preise für Privatpatienten in Deutschland. In diesem Artikel finden sich aktuelle Preise.
Schulwesen: In Belarus herrscht Schulpflicht. Diese gilt aber nur für Weißrussen. Das staatliche Schulsystem ist kostenfrei und man kann als Zuwanderer mit Aufenthaltstitel seine Kinder in der Schule anmelden. Allerdings ist das größte Problem dabei die Sprachbarriere. Ohne Russischkenntnisse ist der Schulbesuch nur in einer teuren Privatschule möglich. Der Lehrplan enthält keinen LGBTIQ Nonsens und in den 3 Monaten der Sommerferien können die Kinder ein Ferienlager besuchen.
Es hat auch bei mir eine Weile gedauert, bis ich mich mit den Regularien und Gepflogenheiten in Belarus zurechtgefunden habe. Und auch ich lerne stetig neues dazu. Daher soll dieser Artikel einen ersten Eindruck über die Vorteile in Belarus vermitteln.

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